God and Jesus drew me outta there!

23.October 2010 - Kelowna


Pat und Noreen kommen heute nach Kelowna um ein paar Dinge zu erledigen und bringen mein Snowboard, sowie die Akkus für die Kamera, mein Handy und alles andere, was ich dort vergessen habe, mit. Wir treffen uns in der Orchard Park Mall. Die mit dem Sushi :).
Die beiden haben leider wenig Zeit und wollen daher nur schnell das Zeug umladen, bevor sie sich wieder auf den Weg machen.
Marie, Colin und ich bleiben zum Mittagessen in der Mall; danach gibt es ein paar neue Pullover für Colin, nachdem Marie seine alten für "cheap" und "worn out" befunden hat. Da ich ein paar schöne Geschäfte entdeckt habe, entschließe ich mich, noch eine Weile zu bleiben und später mit dem Bus nach Hause zu kommen.
Besagte Rückreise wird zu einem kleineren Abenteuer: Ich frage den Fahrer, wo ich mit welchem Bus hinfahren muss, um in die Linie 1 umsteigen zu können. Er erwidert nur brummig, dass ich auf der falschen Straßenseite sei und nach "Queensway" müsse. Gleiches höre ich nur fünf Minute später vom Busfahrer auf der anderen Seite...
Während ich nun also gute 20 Minuten an der ursprünglichen Haltestelle warten muss, werde ich auf einmal von drei zwölfjährigen Mädels gebeten, mal eben ihre große Schwester zu spielen. Sie seien grade von ein paar Mexikanern angesprochen worden, die ihnen Drogen verkaufen wollten. "Ja, sicher. Ich verhaue die einfach, kein Problem für mich!" ;).
Kurze Zeit später fällt mir eine herrenlose Aktentasche auf, die ziemlich teuer aussieht. Entweder ärgert sich der Besitzer gerade gehörig, sie da stehen gelassen zu haben, oder er ist nur mal eben um die Ecke gegangen. In der Tat ist Letzteres der Fall. Der Mann muss ja ganz schön gutgläubig sein, sich einfach so, gute 100 Meter von seiner Tasche entfernt, mit einem Obdachlosen zu unterhalten. Als er zurückkommt, erzählt er mir, dass er auch mal in dieser Situation gewesen sei. Er habe auf der Straße gelebt, sei drogenabhängig gewesen. Und alles nur, weil sein alkoholabhängiger Vater ihm an seinem 21. Geburtstag ins Gesicht geschleudert habe, wie ******* er sei und schon immer gewesen wäre. Heute aber, mit 27 Jahren, ist er vollkommen Clean, ohne jemals das Innere einer Entzugsklinik gesehen zu haben, ja sogar ohne Entzugserscheinungen. Gott und Jesus hätten ihn da raus geholt. Seit dem liebt er Kinder über alles, war Busfahrer und macht nun eine Ausbildung zum Sanitäter. Über die Bemerkung, er habe doch ein ziemlich ereignisreiches Leben, kann er nur lachen. Wenigstens habe er etwas zu erzählen. Seinem Vater hat er übrigens verziehen, nachdem er eine Predigt über die Vergebung der Sünden durch Jesu Tod gehört hat. Von seinem Glauben und seiner Rettung, die er ihm zu verdanken hat, scheint er so überzeugt, dass man das Gefühl bekommt, nichts, wirklich gar nichts könne ihn davon abbringen. Ein erstaunlicher Mann mit einer so positiven Ausstrahlung, dass man ihm seine Vergangenheit nicht anmerken würde, würde er nicht so offen darüber sprechen.
Kurz vor der Station Queensway wirft der Fahrer ein Pärchen aus dem Bus, da das Mädchen auf einmal offensichtlich aggressiv auf ihren Freund losgeht. Wie sich herausstellt, habe ich den Anschlussbus verpasst und kann jetzt, dank Samstagsfahrplan, noch eine halbe Stunde auf den nächsten warten.
Endlich zu Hause angekommen erwartet mich ein eher typisch amerikanisches Abendessen: Chickenstrips and Chips vor dem Fernseher. An sich ja sehr gemütlich. Nur sollte man vielleicht etwas anderes Collateral schauen...