Von Dienstag bis Sonntag sind wir nach Chongqing geflogen. Qiao meinte Dienstreisen sind fuer ihn wie Urlaub, also warum nicht gleich noch laenger bleiben.
Es handelte sich um eine von Di bis Do geplante Dienstreise, mit einer Amerikanerin, einem jungen Thailaender, einer jungen Chinesin, die hauptsaechlich dolmetschen musste, weil sie zehn Jahre in Amerika gelebt hatte, Qiaos Kollege und wir beide.
Mein Reisefuehrer handelt diese Riesenstadt mit ueber 33 Mio Menschen auf einer Doppelseite ab und ich habe eine Ahnung warum. Ich glaube die Chinesen sind wahrhaft stolz auf diese Stadt. Ich glaube, kein Europaer kann das gleiche empfinden und so hab ich in der Woche nur zwei einzelne Touristen und einen kleinen Reisebus mit Nichtasiaten gesehen, sonst nur Asiaten. Die Stadt besteht fuer mich aus Hochhaeusern, Strassen und Einkaufspassagen. Gruen ist nur die Abgrenzungsbegruenung und ein bisschen Restgruen in Hanglage. Am Rand der Stadt oder entlang des Flusses werden viele Hochhaeuser oder gleich Hochhauskomplexe gebaut. Zwischendrin sanierungsbeduerftige Niedrigbauten, Baustellen und leerstehende Hochhaeuser zum Verkauf.
Die Beauftragten der Bauherren haben uns gleich am ersten Abend in ein typisch lautes Restaurant mit vielen runden Tischen mitgenommen. Die Speisen sind etwas schaerfer. In der Mitte des Tisches gibt es eine drehbare Glasplatte auf der so viele Speisen wie Gaeste oder mehr serviert werden.Immer wieder wird gedreht, sodass sich alle mit Staebchen was runternehmen koennen. Das hab ich auch in Shanghai so erlebt. Die Menge die an dem Abend uebrig geblieben ist, haette fuer Qiao und mich mindestens eine Woche gereicht.
Am zweiten Tag haben sie uns ein wenig die Stadt gezeigt, die Riesenbaustelle direkt neben dem Fluss und den zwei auffaellig goldenen spitz zulaufenden Hochhaeusern. Um das Eingangsportal des Hotels (glaub ich) sind lauter goldene Figuren und Statuen. Ich weiss nicht, warum direkt daneben noch zwei Tuerme gebaut werden.
Die Baustelle ist ein langgestreckter Riesenkrater direkt am Felsen, wo gerade Brueckenpfeiler fuer eine neue Strasse oberhalb des geplanten Gebaeudes gebaut werden. Die Bauarbeiter bauen Gerueste und sichern die Felswand. Die Laster werden mit Wasser abgespritzt bevor sie auf die Strasse duerfen.
An dem Tag hab ich auch das Buero gesehen im 22. Stock. Das Team hat gearbeitet und ich bin durch die Gegend gelaufen. Gegenueber ist dieser riesige Gebaeudekomplex. Ich denke die Praesentation der Architekten war damals sehr reizvoll, aber wie auch die Amerikanerin meinte sieht es in Natur dann doch anders aus. Die Fassaden verschmutzen, die Klimaanlagen und Rohrleitungen stoeren das Bild. Die Springbrunnen und Schwimmingpools sind sind ausser Betrieb. In diesem Wohnpark gab es sicher lauschige Plaetze, wo ein paar alte Omas und Opas sassen oder gespielt wurde und man ist weg von der Strasse.
Schoen war der zweite Abend mit den Bauherrenbeauftragten. Wir sind in die Berge gefahren. An der Strasse fuehrten schon viele Lichter in Einfahrten rein. Da oben gibt es die besseren Restaurants mit der regionaltypischen Kueche, dem Feuertopf. Als wir viele verzweigte Steintreppen mit einzelnen Plaetzen raufgingen, war mir fast wie in Italien zwischen Obstbaeumen mit Lampions. Die Luft schien auch frischer. Die Feuertoepfe sind mindestens zweigeteilt, fuer scharf und nicht scharf. Aber die Schuessel zum dippen war trotzdem mit einer Art Chilioel gefuellt. Es gab Magen, Darm, Entenfuesse, normales Fleisch, Tofu, suesse Erdnuesse zum Knacken, Pilze, Lotus, Gurken, Kuerbis und Sojamilch und Bier. Ich hab alles probiert und es schmeckt. Ein Bauherr hat erzaehlt, dass seit er hier wohnt, seine Frau viele Kilo zugenommen hat, weil in Chongqing alles so lecker schmeckt. Auch Qiao hatte zwar kurz Magenprobleme, aber wenn es in der Strasse lecker roch, hat er schnell wieder vergessen.