Windjana Gorge und Tunnel Creek

18.July 2011 - Windjana Gorge


Nachdem wir morgens noch schnell ein paar letzte Einkäufe getätigt hatten, sagten wir dem Strandparadies Broome schweren Herzens Lebewohl und machten uns auf die 200km lange Fahrt nach Derby, von wo aus wir auf die Gibb River Road (GRR) fahren würden.

Die Fahrt war relativ unspektakulär, in Derby hielten wir kurz am Boab Prison Tree, einem über 1000 Jahre alten Flaschenbaum mit riesigem Umfang, in dem man früher kurzfristig Gefangene eingesperrt hat. Flaschenbäume werden nämlich mit zunehmendem Alter innen hohl, und da sie aus irgendeinem Grund nicht auf natürliche Weise absterben (sondern nur durch Blitzeinschlag, Käferbefall, extreme Trockenheit etc.) werden sie immens alt, groß und bieten innen dann sehr viel Platz.
Wir tankten dann nochmal, gönnten uns eine Cola und ab gings auf die Schotterpiste! Naja gut, man muss dazu sagen, dass die ersten 120 km der GRR asphaltiert sind, zumindest ein Streifen in der Mitte, sodass man nur wenn Gegenverkehr kommt neben auf den Schotter ausweichen muss.
Auf den ersten 120km kommt auch nichts sehenswertes, bis wir die Windjana Gorge erreichten, ein paar Kilometer südlich der Straße gelegen. Mittlerweile war es Nachmittag und so entschieden wir uns, hier unser Camp aufzuschlagen und uns danach die Gorge (=Schlucht) anzuschauen.
Der Campingplatz war größtenteils sandig und ohne Schatten, dafür gab es aber Duschen und sogar Toiletten mit Spülung (ich hasse Tourismus...) und kostete nur 11 Dollar pro Person. Nachdem wir unser Riesenzelt aufgestellt hatten, folgten wir dem markierten Weg zur Schlucht. Der Eingang führt durch einen schmalen Spalt im Fels, dahinter ist die Schlucht sehr breit. Der Lennard River fließt hier durch und ein Weg führt auf der rechten Seite durch Sand und Bäume. Obwohl überall vor Frischwasserkrokodilen gewarnt wurde, spielten Kinder im Wasser, allerdings unter den wachsamen Augen ihrer Eltern.
Da es schon spät war, wollten wir nur ein Blick in die Schlucht werfen, und liefen vielleicht 500 Meter hinein, bis wir auf eine Art Strand trafen, wo wir uns hinsetzten und den Anblick der bis zu 100m hohen Felswände, des blauen Himmels darüber und der Vögel genossen.


Am nächsten Tag ging es wieder früh raus, heute wollten wir uns nämlich die Windjana Gorge und Tunnel Creek anschauen.
Auf dem Weg durch die Schlucht sahen wir ein paar Frischwasserkrokodile, die sich allerdings mehrheitlich auf der anderen Seite des Flusses aufhielten. Ein paar bekamen wir aber auch auf unserer Seite zu Gesicht, sogar ganz nah. "Freshies", wie sie hier so liebevoll genannt werden, sind in der Regel harmlos, solange man sie nicht nervt. Dass sich die Australier darüber offensichtlich gar keine Gedanken machen wurde uns eindrücklich vor Augen geführt, als wir eine Familie mit Kleinkindern am Wasser sitzen sahen, während vielleicht sechs, sieben Meter nebendran zwei Krokos saßen! Also wollten wir uns natürlich auch nicht wie die eingeschüchtertsten Touristen anstellen und schossen ein paar Fotos.
Der Weg war nach etwa 2 Kilometern allerdings zu Ende, da die letzte Regenzeit den Weg komplett weggespült bzw. mit Ästen, Schlamm, Steinen und ich weiß nicht was versperrt hatte.
Also suchten wir uns einen schönen Platz zum picknicken und machten uns dann auf den Rückweg, um zu Tunnel Creek zu fahren.
Das lag ein paar Kilometer weiter entlang der Nebenstraße. Tunnel Creek ist, wie der Name schon sagt, ein 1 Kilometer langer höhlenartiger Tunnel, den ein Bach in Tausenden von Jahren in den Fels gegraben hat. Man zieht sich also entweder Schwimmsachen an oder kümmert sich nicht um nasse Klamotten, da der einzige Weg durch diesen Tunnel durch den Bach führt.
Wir zogen normale Kleidung vor, bewaffneten uns mit unseren Stirnlampen und liefen hinein. Es war großartig. Die Höhle sieht beeindruckend aus, wir sahen Stalagtiten sie so aussahen, als würden sie jeden Moment auf uns herabfallen, schlafende Fledermäuse und einmal, als wir etwa knietief im Wasser standen, ein aalartiges Geschöpf, was Muttern fast an die Decke springen ließ. Kurz vorm Ausgang wurde das Wasser nochmal richtig tief, sodass wir bis zur Hüfte darin versanken. Hinter dem Tunnel lag ein kleiner Pool, der sich wunderbar zum Schwimmen eignete (da wir das aber vorher nicht gewusst hatten und keine Schwimmsachen mitgenommen hatten, konnten wir ihn uns nur anschauen).
Während Mama sich ausruhte, erkundete ich die umliegende Gegend. Der Hügel über der Tunnel Creek ließ sich relativ leicht erklettern, und ich machte mich an den Aufstieg. Da das Gestein schon so uralt ist, bröckelt es leichter als man denkt, was es manchmal ein wenig schwierig machte, meine Füße irgendwo abzustellen. Kurz vor der Spitze war es allerdings vorbei, es trennten mich vielleicht drei Meter vom höchsten Punkt, aber es gab keine Möglichkeit, mich irgendwo festzuhalten. Also begnügte ich mich damit, mich von hier aus umzuschauen, und die Aussicht war umwerfend: Ich hatte einen 180-Grad-Blick über das karge, von rotem Gestein dominierte Land, welches die GRR umschließt. Leider hatte ich meine Kamera nicht mitgenommen.

Wie immer wenn man irgendwo hinaufsteigt, macht man sich keine Gedanken über den Abstieg, und es gestaltete sich viel schwieriger, über die unsicheren Steinkanten nach unten zu kommen. Es dauerte etwa doppelt so lang wie der Aufstieg, aber am Ende schaffte ich es doch, unversehrt wieder bei Mama anzukommen, die schon überlegt hatte, wann sie die Polizei rufen sollte.
Es ging wieder zurück durch den Bach, diesesmal keine Aale, und über die staubige Straße zum Campingplatz. Die Zeit bis zur Einbruch der Dunkelheit vertrieben wir uns mit Kartenspielen. Als es dunkel genug war, schnappten wir uns unsere Klappstühle und suchten uns einen Platz etwas vom Campingplatz entfernt, damit wir die Sterne in Ruhe genießen konnten. Wie jedesmal, wenn ich mir den australischen Sternenhimmel anschaue, konnte ich nur staunen. Wir sahen mindestens ein Dutzend Sternschnuppen, und die Milchstraße war überdeutlich zu sehen. Zwei Australier, die zufällig an uns vorbeiliefen, zeigten uns das Sternbild "Rentier", was mir vorher noch nie aufgefallen war, sich aber, einmal gesehen, deutlich von den umliegenden Sternen abhob.
Irgendwann gingen wir dann ins Zelt und versuchten trotz der überall quengelnden Kinder einzuschlafen.